Die Hochschulseite Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.02.2006, Nr. 38, S. 50


Spurensuche am Ruwenzori
DFG gibt Geld für fachübergreifendes Forschungsprojekt
 
zos. RHEIN-MAIN. Frankfurt, Darmstadt, Mainz, Heidelberg, Berlin, Uganda, Neuseeland - das Forschungsprojekt "Rift Dynamics, Uplift and Climate Change in Equatorial Africa" zieht weite Kreise. Arbeitsgruppen aus drei Universitäten des Rhein-Main- Gebiets haben sich zusammengetan, um herauszufinden, wie die Gebirgsbildung am ostafrikanischen Graben das Klima und damit möglicherweise die Entwicklung der ersten Menschen beeinflußt hat. Unterstützt werden die Wissenschaftler von Kollegen der Universität Heidelberg, der Freien Universität Berlin und des Geoforschungszentrums Potsdam. Geologische, meteorologische und paläontologische Untersuchungen an den Hängen der Ruwenzori-Berge sollen unter anderem Daten für Computersimulationen liefern. Eine Reihe von ugandischen Institutionen sind als Partner beteiligt. Und vom neuseeländischen Christchurch aus wird der Geologe Uwe Ring mitwirken, der Initiator des ganzen Unternehmens, der bis vor wenigen Monaten an der Universität Mainz tätig war.

Wegen Rings Weggang stand das Vorhaben, wie berichtet, zeitweilig vor dem Aus. Doch jetzt hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft die nötigen Mittel freigegeben, zunächst drei Millionen Euro für die nächsten drei Jahre. Auch ein neuer Koordinator ist gefunden worden: Georg Rümpker, Geophysiker an der Universität Frankfurt. Anfang März will der Seismologe nach Uganda reisen, zusammen mit dem Senckenberg-Forscher Friedemann Schrenk, der schon seit längerem am Ruwenzori nach Spuren der Vorfahren des modernen Menschen sucht.

Die Arbeitshypothese des Projekts klingt einfach und überzeugend: Vor etwa acht Millionen Jahren türmten sich an den Rändern des ostafrikanischen Grabens, an dem Erdplatten auseinanderdriften, Berge auf. An ihren Hängen entleerten sich die Wolken, die vom Westen des Kontinents herantrieben. Auf der Ostseite der neuen Gebirgskette fiel kaum noch Regen; wo einst der Dschungel gewuchert hatte, entstanden Savannen. Mit dem Klima wandelte sich die Fauna, auch die Primaten paßten sich an die veränderte Umwelt an - sie erlernten den aufrechten Gang.

Jetzt wollen die Wissenschaftler beweisen, daß es wirklich so war. Rümpker zum Beispiel wird mit seinen Helfern in Uganda 20 bis 25 seismologische Meßstationen aufstellen. Fast täglich gibt es in der Region kleinere Erdbeben; aus der Art der Erschütterungen können die Forscher Rückschlüsse auf die Vorgänge im Erdinneren ziehen. Andere Geologen analysieren die Gesteine, die sich entlang der Bergkette finden - auch sie verraten viel über deren Entstehung. Gleichzeitig fahnden Paläoanthropologen wie Schrenk nach Fossilien, die die Veränderungen in der Tierwelt bezeugen sollen.

Am Ende des Projekts, das auf sechs Jahre ausgelegt ist, könnte laut Rümpker ein Computermodell stehen, das die geologischen, klimatischen und biologischen Vorgänge am ostafrikanischen Graben miteinander in Zusammenhang bringt. Dann ließe sich vielleicht auch die Frage beantworten, ob es tatsächlich die Kontinentaldrift war, die der Evolution des Menschen den entscheidenden Schub versetzt hat.
 
 
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